Tölpelhafte Ignoranz bei den Politikern steht althergebrachter Skrupellosigkeit bei
den Unternehmern gegenüber: Da wird ein Unternehmer umjubelt und gefeiert, wenn er
verspricht, an einer Stelle in seinem Unternehmen 5 oder gar 10 Arbeitsplätze zu
schaffen - subventioniert durch den Steuerzahler, versteht sich - an anderer Stelle
allerdings mehrere Tausend Arbeitnehmer auf die Straße setzt und deren Arbeitsplätze
vernichtet.
Die Siemens AG will 2400 Leute arbeitslos machen, um Kosten zu sparen und sich
von Arbeitskräften zu trennen, die das Unternehmen nicht mehr benötigt, um produktiv
sein zu können. Die hohe und weiter zunehmende Automatisierung macht’s möglich! Und
das ist zunehmend der globale Trend.
Das engstirnige Gefasel der Politikergemeinde, man könne durch Sozialabbau und Beschneidung oder gar Beseitigung von Arbeitnehmerrechten und der Absenkung von Lohn und Lohnnebenkosten Arbeitsplätze erhalten oder sogar schaffen, ist an Dämlichkeit und Ignoranz nicht zu übertreffen.
Dem Umstand, dass die Unternehmen - vor allem die Großunternehmen - dank der Automatisierung der Produktion mit immer weniger Leuten immer effizienter werden, müssen endlich die Politiker bei ihren Planungen und Gestaltungsvorstellungen der Gesellschaft Rechnung tragen.
Die Aufgabe des erreichten Sozialstaates und der damit verknüpften Solidargemeinschaft ist genau das falsche Tun. Stattdessen muss die vorhandene, immer weniger werdende Arbeit auf die arbeitsfähigen Menschen verteilt werden. Das geht aber nur bei konsequenter Verkürzung der Arbeitszeiten und mit Löhnen, die existenzsichernd sind. Außerdem muss darüber nachgedacht werden, wie auch jenen Menschen eine menschenwürdige Existenz ermöglicht werden kann, die dauerhaft keine Erwerbsarbeit bekommen. Hierfür muss die ganze Gesellschaft umgekrempelt, also reformiert und müssen die bisherigen Denkmuster auf Realitätstauglichkeit hin überprüft und gegebenenfalls über Bord geworfen werden.