Chancengleichheit durch Bildung?

Die Talkshow am 17.06.07 war durchaus spannend.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Das ewige eitle Gerede vom Segen der Bildung und der damit verbundenen Chancengleichheit geht mir echt auf den Nerv. Und ich bin weißgott kein Bildungsmuffel.

Wer von Chancengleichheit redet, meint vor allem die gleiche Chance auf Bildung und Karriere. Wenn ich Chancengleichheit sage, meine ich die Chance für jeden auf ein menschenwürdiges Leben. Ein Leben in Wohlstand und Anerkennung - unabhängig von Bildung und Karrierefähigkeit.

Es wurde übrigens höchste Zeit, dass endlich mal darüber debattiert wird, das auch Hauptschüler einen Anspruch auf eine Lebenschance haben müssen in diesem unserem verkorksten Lande. Und zwar uneingeschränkt.

Wenn Frau Bärbel Schäfer auf ihrem hohen Ross meint, die Tochter jener Person, die trotz harter Arbeit, immer noch am gesellschaftlich geächteten Tropf von Hartz4 hängt, weil sie durch ihre Arbeit keinen anständigen Lohn bekommt, soll doch gefälligst nebenher arbeiten, um das Studium zu finanzieren, äußert sie genau das, was in dieser Gesellschaft vorherrscht: Uneinsichtigkeit, Realitätsferne und Herzenskälte.

Als Frau Schäfer eine richtig unintelligente Bemerkung in die Runde warf, nämlich, sie habe schließlich auch während ihres Studiums gearbeitet, scheint ihr völlig entgangen zu sein, dass längst auch für Studierende andere Zeiten angebrochen sind.

Auch noch so dringend benötigte Nebenjobs für Studenten in unserer bröckelnden Wohlstandsgesellschaft für alle sind inzwischen sehr rar und zur Mangelware geworden!

Übrigens, die als Beispiel für die Hilflosigkeit von Unternehmern hinsichtlich der Akzeptanz von Mindestlöhnen vorgelegte Frisör-Gewerbetreibende hätte mal Abstriche von ihrer eigenen Gewinnerwartung in Erwägung ziehen sollen. Unternehmer jammern lauthals, wenn sie den Beschäftigten mehr zahlen sollen. Selber aber wollen sie auf keinen einzigen Cent ihres Gewinns, also eigenen Einkommens, verzichten. Im Gegenteil. Je weniger sie zahlen, desto mehr klimpert es in ihrer eigenen Schatulle.

Klaus, den 19.06.07