Neger, Neger, Schornsteinfeger

Neger, Neger, Schornsteinfeger - ZDF-Film in zwei Teilen, zuletzt am 02.09.06

Für mich ist dieser Film ein längst überfälliger Beitrag zum besseren Verständnis für das Zustandekommen der von uns Deutschen während der kurzen Nazizeit verübten Verbrechen gegen die Menschenwürde, die Menschlichkeit und gegen jeglichen Anstand überhaupt.

Dieser Film zeigt sehr deutlich die Folgen charakterlicher Entgleisungen des Großteils der deutschen Bevölkerung und das Phänomen, dass es in diesem unehrenhaften Getümmel durchaus einzelne geben kann, die es fertig bringen, sich einem total verdummenden Herdenzwang zumindest streckenweise zu entziehen und den wie Aussätzige behandelten, ausgegrenzten Menschen bis zu einem gewissen Grade und in einer bescheidenen Weise in ihrer Not, ihrem Ausgeliefertsein beizustehen. Der Film zeigt, dass es immer Möglichkeiten gibt, Schwachen, Verfolgten, Beleidigten beizustehen ohne selbst Schaden zu nehmen. Und er zeigt auch, dass man sich einfach nur raushalten kann. Also, nicht alles Unsinnige mitmachen muss.

Dieser Film ist für mich kein Unterhaltungsfilm, vielmehr ist er ein beeindruckender, wachrüttelnder Lehrfilm. Er zeigt dem aufmerksamen, dem wachen Zuschauer auf, wie jeder einzelne in einer Gesellschaft das Geschehen mit verursacht, beeinflusst und mit gestaltet und den Grad der Auswüchse gesellschaftlicher Entwicklungen mitbestimmt. Er wirft somit sogar die berechtigte Frage nach der bis dato umstrittenen Existenz von Kollektivschuld auf.

Ich würde gerne wissen, wie viele Menschen diesen Film als Unterhaltungsfilm gesehen und wie wenige ihn als Lehrfilm empfunden haben. - Und wie viele Menschen diesen Film sogar als Spiegelbild seiner selbst gesehen haben. Er zeigt drei der vier wesentlichen Gesichter der Deutschen.

  1. des feigen Karrieremenschen, total verblendet, gefühllos, heimtückisch wie brutal als hirnloser Umsetzer von Weisungen anderer
  2. des abwartenden und mitfühlenden, aber untätigbleibenden Neutrums
  3. des einerseits dienstpflichbewussten, aber andererseits damit einhergehend unrechtbewussten und daher zurückhaltenden Mitläufers
  4. - nur das
  5. des aktiven, konsequenten Widerständlers und Verweigerers- fehlt
    1. Neger, Neger, Schornsteinfeger! - Wenn ein Filmwerk je den Oskar verdient hat, dann verdient ihn dieser Film.

      Meine Anerkennung an den Drehbuchautor, den Regiseur und den Darstellern dieses bedeutenden Aufklärungsfilmes. Und auch Hut ab vor den Verantwortlichen beim ZDF, die diesen eigentlich komprimitierenden - und dadurch erst wahrhaftigen - Film in das Programm aufzunehmen bereit waren. Umfassend betrachtet, gehört zu einem solchen Film sogar Mut und Zivilcourage.

      Klaus - 03.09.06 | Arbeitsloseninfo