Magdeburger Gespräch am 21.08.06



Moderatorin Elke Lüdecke

Hallo Moderatorin Elke Lüdecke,

Sehr geehrte Damen und Herren,

gefallene Schlagworte: Fehlanreize für die Segnungen von Hartz4? Nonprofitbereiche für Appel und nen Ei-Jobs? Bedarfsermittler der Arbeitsagentur für Kämpfer gegen die Menschenwürde?

Mit Schaudern habe ich diese illustre Quasselrunde verfolgt. Nichts gegen die Moderatorin Elke Lüdecke, aber es blieb unklar, ob sie z. B. von den haarsträubenden verbalen und vokabularen Ausfällen dieses arroganten, kaltschnäuzigen Professors begeistert oder eher abgestoßen war.

Die GuckedummausderWäsche-Erkenntnis des Arbeitsministers von Sachsenanhalt, Dr. Reiner Haseloff, CDU:

Hartz 4 ist teurer gekommen als die vorherige Variante Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe getrennt je war krönt die Schlussfolgerung, die Berechnungen stimmten nur deshalb nicht, weil all die damit befassten Fachleute nicht mit der unanständigen Gerissenheit der Langzeitarbeitslosen gerechnet hätten. Ist wieder typisch: Erst so tun und lauthals gackern, als könnten diese Herrschaften das Ei des Kolumbus legen und dann den Unschuldsengel spielen, wenn genau das hinten rauskommt, was hinten rausgekommen ist: nämlich der Brei, der so übel riecht. Und dieses hochwissenschaftliche, akademische Ergebnis sollen die Opfer verfehlter Wirtschafts- u. Sozialpolitik nun ausbaden (wie es im Volksmund auch heißt: "Diese Suppe auslöffeln.").

Rührend fand ich allerdings seine Rechnung, dass die Mitglieder einer Bedarfsgemeinschaft so raffiniert sind und es tunlichst vermeiden, dass nur einer dieser Bedarfsgemeinschaft einen obendrein noch gering bezahlten Job annehmen würden, weil sie mit der Arbeitsaufnahme des einen noch weniger in der Familienkasse haben würden als vorher. Er bezeichnet das zwar als menschlich nachvollziehbar, aber nicht hinnehmbar. Nur ließ dieser hochbezahlte Gerechtigkeitsverkünder offen, womit die laufenden Kosten zum Lebensunterhalt jener Gemeinschafts - die ich hier mal als blanke Überlebensgemeinschaft bezeichne - dann schließlich bezahlt werden sollen, wieder aus Transferleistungen etwa? Wenn Arbeit nicht unabhängig macht von ehrabschneidenden staatlichen Allmosen, dann ist solche Arbeit lange nicht dass, wovon immer bei Politikern, Wirtschaftsweisen und Journalisten großmäulig gefaselt wird: "Sozial ist, was Arbeit schafft...".

Die beschämende Botschaft dieser Magdeburger Gespräche ist: Schuld daran, dass Hartz für nach hinten losgegangen ist, sind die Arbeitslosen, nicht aber die unfähigen Regierungsverantwortlichen und deren hochrangige teuer bezahlten Berater und unfehlbaren Volksökonomen. Dass diese hoch bezahlten, von ihrer Unfehlbarkeit völlig überzeugten Ökonomen und Finanzexperten und Wirtschaftsweisen in Wahrheit ihre Disziplin nicht beherrschen und schlicht und ergreifend einfach nicht rechnen können, haben sie in den zurückliegenden Jahren immer wieder neu durch die eigenen Fehlleistungen für jedermann sichtbar und spürbar bewiesen. Und ein Faktor scheint dieser Spezies bei ihren glücklosen Zahlenspielereien ganz unbekannt zu sein, der Faktor Menschlichkeit.

Der Prof. Dr. Peter Heimann, Hauptgeschäftsführer der IHK Halle-Dessau, attackierte die Vertreterin des Arbeitslosenbundes, Marion Drögsler, 1. Vorsitzende des Arbeitslosenverbandes Deutschland e.V., geradezu unscharmant bis hasserfüllt und aggressiv. Dieser Mensch plädiert dafür, dass die Hartz4 Empfänger noch weniger Leistungen erhalten müssen, um zu erreichen, dass sie bereit seien, endlich eine Arbeit anzunehmen. Wie weltfremd er ist zeigt sich nicht nur daran, dass er glaubt, Frau Drögsler, 1. Vorsitzende des Arbeitslosenverbandes Deutschland e.V, werde von den Arbeitslosen bezahlt, nein, der denkt doch tatsächlich auch, diese Volksschmarotzer hätten daran Gefallen gefunden, anderen - den Leistungsträgern - auf der Tasche zu liegen und sich allen möglichen Unterstellungen und Verdächtigungen glückselig auszusetzen.

Dieser Herr sollte vielleicht sein auffälliges Temperament besser unter Kontrolle haben, oder er ist einfach nicht ausgelastet. Der plädiert zwar für geringe Bezahlung der am Hungertuche nagenden Bevölkerungsschicht und bei den anderen, selber kriegt er den Hals nicht voll, getreu dem Motto, mitnehmen, so viel wie irgend möglich.

Dieser zutagegetretene Zynismus ist an Unverschämtheit kaum noch zu überbieten, es sei denn durch Androhungen wie das Verbringen solcher unwilliger Arbeitsloser als Volksschmarotzer entlarvt in Arbeits- und Umerziehungslager. Aber das hatten wir alles schon. Und wie sich abzeichnet, geht es mit so strukturiertem Persönlichkeitspotential genau wieder dort hin.

Klaus - 21.08.06 - www.Anecken.de