Die „geistigen Eliten“ des Sozialismus der DDR

Die Kollektivschuld - das Für und Wider

Um es vorwegzunehmen: Den geringsten Anteil Schuld haben die Menschen, die über das soziale Niveau des Arbeiters und Bauern nicht hinausgekommen sind, weil sie sich eben nicht karrierebesessen vor den dreckigen Karren der selbsternannten, verlogenen Weltverbesserer spannen ließen.

Warum? Weil dieser Bevölkerungsschicht aufgrund der vermeintlich dort vorhandenen Bildungsdefizite ein umfassendes Urteilsvermögen nahezu ausgeschlossen wird.
Um so härter trifft es daher auch die „geistigen Eliten“. Ihr Urteilsvermögen wird fatalerweise nicht infrage gestellt. Der Anteil Schuld wächst aber mit dem Anspruch auf Anerkennung eigener geistiger Leistungsfähigkeit und des eigenen Urteilvermögens. Die Ausreden, man habe doch an das System geglaubt und daher „mitgemacht“, werden durch eben diesen Anspruch zum Bumerang. Denn so blöde kann kein Mensch sein, der sich für klug, intelligent, gebildet hält, ein unumstritten menschenverachtendes, völlig widersprüchlich aufgebautes System auch tatsächlich als solches zu erkennen. Wenn das Argument, man habe an dieses System geglaubt, akzeptiert werden soll, dann doch ausschließlich nur dann, wenn es den Betreffenden nicht möglich war, ihre Situation und Stellung in dieser „ehrenwerten“ Gesellschaft geistig zu erfassen. Wenn dieser Grund ausgeschlossen ist, dann bleibt nur noch eine fatale moralische Verkommenheit als Erklärung für das Nicht zur Kenntnisnehmen der unheilvollen Widersprüche dieser DDR und der herrschenden Realität übrig.

Klaus, 30.09.2000