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Abgesehen
von der etwas irritierenden Beschriftung dieses Gedenksteins kann
die Zittauer Bevölkerung froh darüber sein, dass auch
sie auf ein Denkmal verweisen kann, das den Opfern des
SED-Regimes gewidmet ist. Aber wenn es nach der Anzahl der
teilnehmenden Bürger abzuleiten wäre, hat dieses
Denkmal eher etwas von einer Alibi-Funktion: Ein Muss, wie es zu
DDR-Zeiten üblich war, regelmäßig wie ebenso
stoisch Solidaritätsmarken zu kaufen, an Parteilehrjahren
teilzunehmen, an 1. Maidemonstationen Fähnchen zu schwingen
und lächerliche Transparente hochzuhalten oder
Lippenbekenntnisse zur täglichen Planerfüllung zum
Wohle der allmächtigen Partei abzugeben. Und so versammelten sich einpaar Alte und Gebrechliche, gebeugt aber aufrecht und einsam an diesem erst nach dem Zusammenbruch des Molochs SED schleunigst hingestellten Denkmal, flankiert von einigen Jüngeren und nicht mal einer Handvoll ganz junger Menschen. Die beschämend geringe Anteilnahme der Bevölkerung in Zittau am Gedenken der Opfer eines Regimes, welches Menschen ohne Rücksicht auf Verluste für sich vereinnahmte, einem Regime, dem es nach Hitler gelang, den meisten Menschen ihre Würde zu nehmen zeigt, wie wenig sich die Menschen mit ihrer eigenen Geschichte identifizieren und wie wenig von dieser überhaupt begriffen worden ist. Ganz streng genommen war jeder von ihnen eigentlich auch Opfer, jedoch ohne Fähigkeit, sich selbst in diesen Zusammenhang zu stellen. Selbst Volksparteien wie die SPD, deren Mitglieder unter der
DDR-Diktatur besonders gelitten hatten, vermochten es nicht,
Bürger zur Teilnahme an Gedenkfeiern aus gegebenen Anlass zu
mobilisieren. Nicht einmal die eigenen Genossen! Und auch nicht
die Jugend unserer Gesellschaft! Das liegt nicht nur an den
Lehrern an den Schulen. Die rekrutieren sich ohnehin aus jenen Zeitgenossen, deren Hauptaufgabe es war, aus den Kids
treudoofe sozialistische Staatsbürger zu machen. Es liegt auch an den Eltern der Kinder.
Aufarbeitung unserer jungen Geschichte? Woher soll das kommen, wie sollte das
gehen? Irgendwie sind wir doch alle am anderen schuldig geworden?
Es existiert kein individuelles Gewissen dafür und auch kein
kollektives.
Besonders in Ostdeutschland haben gerade die Menschen kaum oder gar keine
Lobby in der Bevölkerung, die sich als Einwohner der Ostzone
dem SED-Regime verweigert oder gegen dieses in Erscheinung
getreten waren.
Die zwei Redner dieser Veranstaltung konnten wahrhaftig nicht alles
sagen, was zu dem Thema "Ehrung von Opfern der SED-Diktatur"
unbedingt noch zu sagen gewesen wäre. Nur Herr Kloß,
der Zittauer Bürgermeister, lenkte die Aufmerksamkeit der
Zuhörer noch auf eine Erscheinung in unserem Leben, deren
Erwähnung meiner Auffassung nach aber völlig
deplatziert war: Er sprach von der Gefahr durch Sekten, die sich
anschickten, uns Menschen unserer Entscheidungsfreiheiten zu
berauben. Meinte er vielleicht die SED? Ich hörte keinen Satz zu den eigentlichen
Verbrechen der SED und deren Mitglieder in deren gesamter
Schaffensperiode bis 1989!
Die aussagekräftige Teilnahme der Bevölkerung an Gedenkveranstaltungen wie diese ein Denkmal, eine Demonstration unseres persönlichen wie gesellschaftlichen Gewissens. |
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