Wo ist das Ende der Fahnenstange? ...oder

...die Menschenwürde der Agenda2010

Anwesend und beteiligt in dieser Runde, Talkshow Sabine Christiansen am 04.Juli 2004 | Show 18.07.04

Sabine Christiansen, Moderation

  • Stefan Knoll, Vorstandschef der SNT Deutschland AG und Betreiber eines Call-Centers
  • Klaus Ernst, SPD-Abweichler und Gewerkschafter IG Metall
  • Sigmar Gabriel, SPD Vorstand








  • Michael Rogowski, Präsident der Bundesvereinigung der Industrie
  • Dirk Niebel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP
  • Bodo Ramolow, Fraktionschef der PDS Thüringen








Unternehmer Knoll meint: es gäbe eine soziale Verantwortung des Unternehmers. Und die Diskussionen um die hohen Gehälter der Manager und Einkommen der Unternehmer seien eine Neid-Debatte. Er arbeite schließlich 16 Stunden am Tag und am Samstag auch. Um die Verlängerung der Arbeitszeit bei gleichem Lohn käme man nicht herum (schließlich profitiert er als Call-Center-Betreiber eindeutig davon! Und die Verlagerung seiner Call-Center Arbeitsplätze ins Ausland macht keinen Sinn.).
Knoll vermittelt den Eindruck, als wäre er Unternehmer geworden aus purer sozialer Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen, als jemand, dessen Motiv für die Firmengründung es war, Arbeitsplätze zu schaffen, nichts als die Arbeitsplätze. So möge ihm Gott helfen. Oder: Wer's glaubt wird selig.
Übrigens: Mit der verlängerten Arbeitszeit benötigt der Unternehmer noch weniger Arbeitskräfte.

Klaus Ernst, IG Metall: fragt endlich mal mit aller Deutlichkeit den BDI-Rogowski, worin dessen persönlicher Beitrag als Beweis seiner Leidenfähigkeit bei der Sanierung des Sozialstaats bestehe.
Allerdings verheddert er sich in seiner Darstellung bezüglich der Menschenwürde, wenn es bei Arbeitslosen um die Zumutbarkeit von Jobs geht. Für ihn haben nur Menschen ab Ingenieur ein Recht auf Respektierung der Menschenwürde. Einem Ingenieur könne nicht jede Arbeit zugemutet werden (unterhalb seiner Qualifikation). Klaus meint: einem Facharbeiter offenbar sehr wohl.

Siegmar Gabriel, SPD, beklagt bitterlich, Sozialhilfeempfänger lebten von seinen Beiträgen. Es sei für die Betroffenen besser, eine schlecht bezahlte Arbeit anzunehmen, als von Sozialhilfe - oder neu: ALG2 - zu leben.
Er plädiert für die Verlängerung der Arbeitszeit ohne die Kaufkraft zu senken. Wie weise.
Er meint, Arbeit sei zumutbar, wenn sie nicht unmenschlich ist. Ab wann die unmenschlich ist, ließ er jedoch offen. (Vielleicht wird Arbeit unmenschlich, wenn der Arbeitnehmer vom Erlös seiner Arbeit nicht leben kann?- Und was ist mit der Menschenwürde?)

BDI-Rogowski in die Runde: "Wir müssen uns von den Gewerkschaften befreien!"
Und: Rogowski meint ernsthaft, wenn die Arbeitnehmer bei gleichem Lohn länger arbeiten, würde die Herstellung der Produkte um 16% billiger werden.
Wie soll das aber gehen? fragt sich Klaus, der einfache Bürger. Die Leute hätten nur mehr Zeit für das Produkt, würden vielleicht mehr davon herstellen - wobei die Vermarktungsfähigkeit der Mehrproduktion mal dahingestellt sei - aber es würde doch nicht billiger und damit konkurrenzfähiger! - Übrigens, Autos z.B. werden immer schneller und kostengünstiger hergestellt, billiger verkauft werden sie jedoch nicht.

FDP-Niebel triumphierend zu SPD-Gabriel: Eure Partei hat doch die Agenda eingeführt. Und sieht starke Gemeinsamkeiten mit dem Gabriel von der SPD.

Bodo Ramolow, PDS, zeichnet ein ziemlich realistisches Bild der Lage in Ostdeutschland. Die Auswirkungen der Hartz 4 Gesetze - Arbeitslosengeld 2 - hält er für verheerend. Die Kaufkraft werde weiter sinken. (Das schafft letztendlich wieder Arbeitslose.)

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