Post-Traumatische Erfahrungen

Klaus R. frontal ...

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Die Odyssee einer kleinen Postsendung


Sehr geehrte Damen und Herren,

es kann nicht sein, dass bei der Deutschen Post eine Päckchensendung es zwar bis zur Haustür des Empfängers schafft, aber nicht bis zum Empfänger selbst. So geschehen am 19.03 2010 in einem Dorf namens Oberseifersdorf, in der Nähe der Stadt Zittau.
Da des Empfängers Klingel wohl versagt hatte, wurde die Postsendung nicht wie üblich, also wie es bei uns hier Gang und Gebe ist, beim Nachbarn abgegeben, sondern der orangefarbene Benachrichtigungszettel der Postzustellerin musste dafür herhalten, dem Kunden, dem Empfänger der Sendung zu signalisieren: Siehe, da war einer von der Post da und konnte seinen Job nicht richtig erledigen. Am Ende hat jeder sein Päckchen zu tragen.

Statt wenigstens mittels dieser Benachrichtigung dem Postkunden Wertschätzung zu vermitteln und ihn demgemäß darauf vorzubereiten, dass zu einem festgelegten Termin der Zustellversuch durch die Post wiederholt werden würde, gab es lediglich die Order an den Kunden, sich ab soundsoviel Uhr gefälligst bei der Postfiliale in Zittau die Postsendung selber abzuholen. Basta!
Das aber war dem so abgefertigten Kunden nun doch zu viel. Am nächsten Tag rannte er hinter der eilig das Weite suchende Postfrau her und konnte sie dazu bringen zuzusagen, dieses Päckchen gelegentlich von der Post in Zittau wieder nach Oberseifersdorf zu tragen, wo es eigentlich hingehört. Vertrauensvoll übergab der genarrte Kunde auf Aufforderung der Postfrau die Benachrichtigung derer selbst und bedankte sich brav für ihre am Freitag gegebene Zusage, das Päckchen am Dienstag folgender Woche bei ihm abzuliefern. Das war immerhin auch nach meinen Maßstäben noch kundenfreundlich, äh?

Am Dienstag dann kam die Postfrau tatsächlich und erwartete den Empfänger am Grundstückstor mit einer Postsendung im Arm und der Unterschrifts-Elektronik in der Hand. Die Sendung wurde übergeben. Ein kurzer Plausch über die gestresste Zustell-Vorgängerin und wieder ein Dankeschön an die Postfrau- und weg war sie. In der Annahme, das überfällige Päckchen ins Hau getragen zu haben, packte ich es gleich aus und erstarrte! Es war nicht der Inhalt, den ich erwartet hatte. Bei dieser Sendung handelte es sich eindeutig nicht um das besagte Päckchen, sondern um eine Lieferung, die schneller da war, als ich dachte. So ein Pech aber auch. Die Postfrau war weg und ich blieb auf meinem Frust sitzen. Was lag da näher als der Griff zum Telefon, um mit der Post in Zittau in Kontakt zu treten. Doch nichts da! Die mir noch verbliebene Telefonnummer war zwar nicht stillgelegt, aber trotzdem tot. Es meldete sich niemand. Die Alternative dazu war eine der verpönten, zu Recht verpönten 0180.Nummern. Es wiederstrebte mir einfach, mir einen Schwindelanfall in der Warteschlange zu holen. Zudem hatte ich eine Telefonflatrate bei der Telekom. Und die beinhaltete Sonderrufnummern gar nicht. Also hätte ich auch noch für die offensichtliche Schlamperei der Postangestellten Gebühren zahlen müssen. Postfrauen sind offenbar wahre Phänomene, genauer Phantome. Sie sind einfach nicht zu fassen.

Wozu gibt es das Internet, dachte ich zeitgemäß und optimistisch und suchte nach einer Kontaktmöglichkeit mit der Zittauer Poststelle per EMail. Diese Poststelle war früher mal die Hauptpost, das Postamt der Zittauer. Also keine kleine Filiale, wie man annehmen könnte. Doch unabhängig davon sollte auch eine wirklich kleine Filiale jederzeit während der Geschäftszeit für den Kunden erreichbar sein. Tut es aber nicht. Nicht einmal diese ehemalige Hauptpost. Die Kontaktmöglichkeit per Internet bestand aus dem Angebot eines Kontaktformulars, bei dem sich nach einer schieren Ewigkeit herausstellen sollte, dass es offensichtlich ein kleines Problem in den Eingeweiden dieses Formulars geben musste, denn die Nachricht wurde nicht verschickt. Es gab dafür eine Fehlermeldung. Die Emailadresse würde nicht stimmen: “Geben Sie eine ordnungsgemäße Emailadresse an!” wurde ich aufgefordert. Dreimal habe ich meine ordnungsgemäße Emailadresse eingegeben, aber trotzdem bleib ich auf meiner frustvollen Nachricht sitzen. Das Formular stammte übrigens nicht einmal von der Post, sondern wurde von einer Firma mit exotisch klingenden Namen lediglich zur Verfügung gestellt. Und diese Firma saß im Ausland und war per Telefon nicht einmal erreichbar. Für mich jedenfalls. Hier die Webadresse dieses mysteriösen Formulars: <<< aufrufen und staunen.

In meiner Aufregung nutzte ich schließlich noch eine andere Kontaktadresse der Deutschen Post, nämlich die der Zentrale in Bonn. Doch so schnell schießen auch die Kölner nicht, musste ich verbittert zur Kenntnis nehmen. Kurzentschlossen griff ich wieder zum Telefon, diesmal aber wählte ich die Nummer der Bonner Zentrale. Dort war dann doch jemand bereit, den Hörer abzunehmen und mich nach einem kurzen Orientierungsgespräch in eine Warteschlange gleiten zu lassen. Dort erfreute die Deutsche Post AG mich mit einem Durcheinander von Musik, englischen und deutschen Wortbrocken und weitere undefinierbare Hintergrundgeräusche. Seit die Deutsche Post AG mit der Deutschen Bank AG liiert ist, scheint das die neue Firmenphilosophie widerzuspiegeln, drängte sich mir unvermittelt der Verdacht auf. Bin nur mal gespannt drauf, wann bei den Verantwortlichen der Deutschen Post AG die Nachwirkungen der Einfallspechsträne damals bei der Deutschen Bank einholen wird, sich von den Kleinkunden zu trennen, um später dann auch die Erkenntnis zu gewinnen, dass es ohne die eigentlich nicht funktioniert. Von der Deutschen Bank lernen heißt vielleicht auch, die gleichen Fehler zu machen.

Doch zurück zu meinem Päckchenfrust. Endlich meldete sich eine weibliche Person am anderen Ende der Leitung. Die hatte gar nicht verstanden, warum ich so aufgeregt war, warum ich das Bedürfnis hatte, mich bei ihr auszuheulen …