ZDF-Berlin Mitte

12.08.04 - PolitTalk ZDF-Berlin-Mitte und die Moderation

Ab welchem Bildungstand gilt die Menschenwürde?

Die Moderatorin M. Illner hatte zum Thema Zumutbarkeit von Jobs für Langzeitarbeitslose ein Beispiel genannt, daß mich aufhorchen ließ.
Zumutbarkeit hat ja auch was mit Würde und Würdigung über Geld zu tun. Aber bei der Moderatorin Illner beginnt dieser Aspekt offensichtlich erst ab diplomierten Ingenieur eine Rolle zu spielen. Sorgenvoll fragte sie in die Runde, ob denn ein diplomierter Ingenieur gezwungen werden könne, für 1200 Euro irgendeinen Job anzunehmen. Ich hätte ihr darauf mit Ja geantwortet, warum nicht? Andere müssen mit viel weniger auskommen, mit oder ohne Job. Aber das ist nicht der Kern meiner Kritik.
Immerhin geht es bei der Frage, ab wann ein Job zumutbar ist, bestimmt nicht nur um Menschen, die eine, für die Gesellschaft kostspielige, akademische Ausbildung in Anspruch genommen haben und deren Menschenwürde und Respektierung. In der Mehrzahl geht es um Menschen, die für uns alle unverzichtbare, aber weniger kostenintensive Berufe erlernt haben und um andere, die aus welchen Gründen auch immer, eben keine berufliche Ausbildung hinter sich, dafür aber schon in jungen Jahren Beiträge in die Sozialkassen geleistet haben.
Und sie haben unbestreitbar das gleiche Recht auf Achtung ihrer Menschenwürde, wie diejenigen, die sich offensichtlich für was Besseres halten und meist doch nicht mehr leisten! Frau Illner kriegt immerhin ihr ohnehin überhöhtes ZDF-Salär nicht vom lieben Gott oder ihrem Intendanten, sondern vor allem von denen (über die GEZ), über deren Würde sie nicht sprechen will und diese ignoriert.

Mir schein, daß es höchste Zeit ist, die Arbeitnehmerschaft auch dahingehend zu sensibilisieren, endlich dem Trend der Mißachtung der wie es immer öfter heißt "minder Qualifizierten", also vornehmlich nicht-akademischen Arbeitnehmer Einhalt zu gebieten.
Es kann nicht sein, daß der kleinere, sich elitär empfindende Teil der Bevölkerung in diesem Lande dem entschieden größeren Teil alle sich ergebenen Nachteile zuschiebt, während man sich selbst doch jedesmal immer nur die Rosinen dieses Gesellschaftskuchens herauspickt. Dieses merkwürdige Anspruchsdenken sollte verschwinden. Alle Menschen tragen irgendwie zum Funktionieren einer Gesellschaft bei nach dem Grundsatz: "Jeder ist des andern Glückes Schmied." (Klaus R.)

Es kann nicht sein, daß Menschen ohne "hoher Qualifikation" kurzerhand für zu dumm gehalten werden, für sich selbst zu sprechen oder zu handeln und zunehmend geringschätzt werden. Es kann nicht sein, daß in dieser Gesellschaft die "minderqualifizierten" Menschen zum Prügelknaben der Nation gestempelt und gezwungen werden sollen, die Verletzung ihrer Menschenwürde bis zur Selbstaufgabe hinzunehmen.
Und - verdammt noch mal - Menschenwürde definiert sich immer noch auch über die Entlohnung von Arbeit und ihrer Respektierung oder im ungünstigsten Falle bei der Gewährung von sog. Transferleistungen und die Bereitschaft zur Anerkennung der Schwere einer derartigen Situation!
Nicht ohne Grund nehmen z.B. die Depressionen der von Arbeitslosigkeit Betroffenen bedenklich - alarmierend - zu.
Statt faire Auffassungen zu pflegen, unterstellt man Schmarotzertum und wirft ihnen in diesem Zusammenhang vor, sie lebten von den Beiträgen anderer. Aber offensichtlich ist man hier fähig genug zu übersehen, daß auch eine Vielzahl anderer Menschen, die einen ganz anderen Status haben, von diesen Beiträgen leben - nur bedeutend besser und gesellschaftlich hochgeschätzt.
Also: "Herz und Verstand gehören zusammen." (Klaus R.)

Und nicht zu vergessen ist: Wie ein Blitz aus heiteren Himmel kann es jeden treffen. - Oder - Der liebe Gott wird dich im Himmel fragen: "Hast du dich auf Erden auch anständig betragen?"

Mit freundlichen Grüßen - Klaus am 13.08.04

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